RETROSPEKTIVE

Ehrenpreis für den großen Regisseur Joseph Vilsmaier

2017 – ein besonderes Jahr fürs Filmfestival Kitzbühel: Zum ersten Mal verleiht es einen Ehrenpreis. Die Auszeichnung geht an den großartigen Regisseur Joseph Vilsmaier für sein Lebenswerk, darunter auch deutsch-österreichische Koproduktionen. Und die Zuschauer dürfen sich natürlich auf Film-Highlights des Münchner Regisseurs freuen, u.a. „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ (2008) nach dem populären bayerischen Volksstück. Vilsmaier erzählt mit viel Humor und Fantasy-Elementen die beliebte Geschichte des Tegernseer Büchsenmachers Brandner Kaspar (Franz Xaver Kroetz), der dem Tod „Boandlkramer“ (Michael „Bully“ Herbig) ein Schnippchen schlägt und ihm beim Kartenspielen weitere Lebensjahre abspenstig macht. Mit dabei: ein populäres Ensemble aus Lisa Maria Potthoff, Sebastian Bezzel, Jörg Hube, Herbert Knaup und Detlev Buck.

Mit dem FFKB ist Joseph Vilsmaier ohnehin eng verbunden – zur Premiere des Festivals 2013 präsentierte er gemeinsam mit Hauptdarsteller André Eisermann seine vielfach preisgekrönte Romanverfilmung „Schlafes Bruder“ (1995), und ein Jahr später stand dort seine Hommage an das berühmte 30er-Jahre-Gesangsensemble „Comedian Harmonists“ (1997) im Mittelpunkt, ebenfalls in Anwesenheit der Hauptdarsteller.

Auch wenn Joseph Vilsmaier ursprünglich Musik und Klavier studierte und eine technische Ausbildung bei ARRI absolvierte, fand er seine wahre Berufung hinter der Kamera: als Regisseur und Kameramann. Gleich sein Regie-Debüt „Herbstmilch“ (1988) mit seiner späteren Ehefrau Dana Vávrová in der Hauptrolle war auf Anhieb ein Erfolg. Seit seiner unprätentiösen Verfilmung der Lebenserinnerungen der niederbayerischen Bäuerin Anna Wimschneider gilt er als „Erneuerer des Heimatfilms“, was er 1991 mit seinem Spielfilm „Rama Dama“ über das harte Leben in München kurz nach dem Krieg erneut unter Beweis stellte. Ob dramatische Filmstoffe oder Komödien, Joseph Vilsmaier hat für alle Genres ein ausgezeichnetes Gespür. Ebenso inszenierte er auch Fernsehfilme wie „Die Gustloff“ (2008) über den dramatischen Untergang des deutschen Lazarett- und Flüchtlingsschiffs 1945 in der Ostsee oder den Thriller „Russisch Roulette“ (2012) mit Katharina Böhm und Heinz Hoenig in den Hauptrollen.

Zu Vilsmaiers weiteren Film-Highlights gehört auch das aufwändig inszenierte Anti-Kriegsdrama „Stalingrad“ (1993), das die verheerende Schlacht aus Sicht eines deutschen Bataillons schildert. Ein Jahr später wandte er sich der Verfilmung von Erich Kästner berühmten Kinderbuch „Das doppelte Lottchen“ zu. Mit seiner modernen Version „Charlie & Louise – Das doppelte Lottchen“ versetzte er die Geschichte geschickt in die Gegenwart und schuf daraus einen auch international preisgekrönten Unterhaltungsfilm mit Tiefgang.

Als Bester Spielfilm beim Hollywood Film Festival in Los Angeles wurde Vilsmaiers „Marlene“ (2000) mit Katja Flint als deutsche Hollywood-Legende Marlene Dietrich ausgezeichnet. Basis der verfilmten Lebensgeschichte: die Biografie, die Dietrich-Tochter Maria Riva geschrieben hatte. Mit „Leo und Claire“ wandte sich Joseph Vilsmaier 2001 erneut einem historischen Stoff zu: die Verurteilung eines jüdischen Geschäftsmannes wegen „Rassenschande“ – ein Justizskandal und der bekannteste Fall von Rechtsbeugung während der Nazi-Zeit. Ebenfalls während des NS-Regimes spielt das Drama „Der letzte Zug“ (2006), das in schonungslosem Realismus einen brutalen Transport ins KZ Auschwitz schildert.

Einem gänzlich anderen Thema widmete sich Joseph Vilsmaiers Bergsteiger-Drama „Nanga Parbat“ (2010). Es basiert auf Reinhold Messners Schilderungen der gescheiterten Expedition zum Nanga Parbat im Himalaya von 1970, bei der sein Bruder Günther tödlich verunglückte.

Joseph Vilsmaiers Auszeichnungen, vom Bayerischen Filmpreis (u.a. für „Stalingrad“) bis zum Ehrenkamerapreis für sein Lebenswerk, füllen mittlerweile ein ganzes Trophäenregal.